Theorie der Geruchsbilder

Um die Suchtechnik des Hundes verstehen zu lernen, muss man sich zunächst mit der Theorie der Geruchsentstehung und -verteilung auseinandersetzen. Deshalb wollen wir hier versuchen, die wichtigsten Grundlagen in stark vereinfachter Form darzustellen.

Ein Mensch, der sich in der freien Landschaft bewegt, hinterlässt dabei zweierlei Spuren:

  • seinen spezifischen menschlichen Geruch, den sog. Individualgeruch
    und
  • seine Trittspuren am Boden, die sog. Bodenverletzungen.

a.) Individualgeruchsbild:

Vereinfacht ausgedrückt entsteht der Individualgeruch (bildlich „Geruchswolke“) durch die vom Körper abgestoßenen Hautpartikel und deren Zersetzung durch Bakterien. Diese „Geruchswolke“ verhält sich ähnlich wie Rauch. Sie wird zunächst durch die Luftströmungen am Körper nach oben getragen und beginnt ca. 45 cm über dem Kopf nach unten „abzuregnen“.  Fällt der Individualgeruch nicht nach unten, sondern wird zum Beispiel durch Wind oder Thermik über weitere Distanzen weggetragen, so spricht man vom Hochwind („airborne scent“, siehe c).


 
Vereinfachte Darstellung: “Individualgeruchsbild”
(frei nach “Scent an the Scenting Dog” William G. Syrotuck, 2000)

Der Individualgeruch ist für jeden Mensch einzigartig wie ein Fingerabdruck und hat nichts zu tun mit dem Körpergeruch. Er kann daher weder abgewaschen noch überdeckt werden.

b.) Geruchsbild der Trittspuren

Durch den Fußtritt eines Menschen entsteht aufgrund der Druckbelastung eine mehr oder weniger starke Verletzung der Bodenschicht sowie der Vegetation. Dabei werden Mikroorganismen und Pflanzenzellen zerstört, die durch die Bodenbakterien zersetzt und hierbei wiederum Gase freigesetzt werden.
 
Vereinfachte Darstellung: “Bodenverletzungen”
(frei nach “Scent an the Scenting Dog” William G. Syrotuck, 2000)

Die Intensität dieses Geruchsbildes ist abhängig von Temperatur, Feuchtigkeit, Windverhältnissen und der vorhandenen Vegetation. Während der ersten 30 Minuten dominieren die austretenden Pflanzenzellsäfte der zerquetschten Pflanzenteile, danach sind es die durch die bakterielle Zersetzung entstehenden Gase, welche die ganz spezifische „Farbe“ der Spur ausmachen.

c.) Hochwind (“airborne scent”)

Solange die menschlichen Geruchspartikel in der Luft schweben, spricht man vom Hochwind (“airborne scent”). Diese Partikel sind besonders stark der Verfrachtung aufgrund von Wind- und Luftströmungen, Turbulenzen und thermischen Berg- und Talwinden ausgesetzt. Hindernisse und Senken sind typische Geruchsfallen, an Bergkuppen oder Hängen können die Geruchspartikel weit entfernt liegen von der eigentlichen Spur als auch vom Aufenthaltsort der Person.
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Stand: 14.03.2018

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Monika Menges